Steinengel

Die historischen Grabdenkmale auf dem Bergfriedhof Schleiz

Rede auf dem Schafott

Der Mörder von Schönfärber Basilius Joseph Hammer hielt auf dem Schafott eine Rede an die Umstehenden.

Anrede vom Inquisiten Johann Ernst Eißmann auf dem Schaffot an die Umstehenden 

gehalten den 3. August 1781


Hier stehe ich nun vor dem Angesichte eines allwissenden, allgegenwärtigen und gerechten Gottes, mein letztes Urtheil zu empfangen. Ich soll leiden was meine Thaten wert sind. Da ich aber auch zugleich vor den Pforten der Ewigkeit stehe: so sehe ich mich gedrungen, mein letztes Bekenntniß noch vor der Welt abzulegen. Wenn ich jetzo noch falsch und boshaft mich finden ließe: so hätte ich sogleich verdient, daß mich die Erde verschlänge und Gott mich in die tiefste Hölle stürze.
Höret mich also mitleidende Zuschauer damit euch Gott wieder höre.
Ich bekenne vor Gott und vor euch, daß ich die schwarze Tat des Mordes an meinem Freund ganz alleine verübet und das Blutgeld, aus Angst des Gewissens, ins Wasser geworfen habe. Darauf serbe ich und bereue meine himmelschreyende That von ganzem Herzen. Ich verlasse mich aber auf das theure Verdinst meines Heilandes, der auch für mich gestorben und mir alle meine vielen schweren Sünden aus Gnaden vergeben hat.
Zugleich danke ich Gott und er Obrigkeit, daß meine schwarze That auf meine lang anhaltende Hartnäckigkeit ist entdecket worden. Wieviel Bosheiten hätte ich noch verüben können! Gott wollte aber meine arme Seele erretten, daher leide ich auch meinen verdienten Tod willig.
Und da ich soviele Menschen, ja unsere ganze Stadt und Land geärgert und betrübt; da ich die allgemeine Sicherheit und die zärtlichste Freundschaft aufs Empfindlichste gestöhret habe: so hoffe ich auf mein demüthiges Bekenntniß, ihr werdet mir Allerseits auch um Christi Willen vergeben.
Sagts Aeltern euren Kindern, daß sie ein Beyspiel an mir nehmen, daß sie nicht so leichtsinnig seyn, wie ich gewesen bin, daß sie sich, auch vor die kleinste Sünde hüthen, damit keines den traurigen Weg gehen darf, den ich jetzt gehen mußte. Ach welche traurige Scene müßt ihr nicht heute vor Euren Augen erblicken, betrübte Schleizer, da ich als euer Freund, in der besten Blüthe meines Alters, im 27. Jahr, auf diesem Schaffot, mein Leben unter dem Rad enden soll. Ich hoffe und glaube es ganz gewiß, daß nunmehro eure Rache, welche ich mir zugezogen, sich wird in ein christliches Mitleiden verwandelt haben. Denket aber noch kein Arges mehr in euern Herzen wider mich, vergönnt mir aber auch zugleich, diesen ausserordentlichen Platz meines Todes; ich sage euch, er wird gesegnet sein! *
(* Als man vom Inquisiten die Erklärung dieser Stelle aus seinem selbst verfertigten Aufsatz verlangte, sagte er: er hielte es vor eine besondere Gnade unseres theuersten Landesvaters, daß er auf dem Markt hingerichtet würde.)

Bezähmt aber auch eure Zungen, sprecht nicht böse von meinem Richter, zugleich aber auch nicht von meinen beyden Führern, welche gewiß meine Seele so zubereitet haben, daß ich sie meinem himmlischen Vater wieder in die Hände geben kann.
Da ich aber auch bald zu Gott kommen, Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werde, so will ich ihn flehentlich um seinen Segen für unsere liebe Landesherrschaft und über die Bewohner für Stadt und Land bitten.
Und nun noch eine Bitte an Alle: betet für mich, daß mir Gott beystehe, mir Muth und Freudigkeit schenke und mich im wahren Glauben bis an mein Ende erhalte. Lebt wohl! Lebt Alle wohl! Lebt ewig wohl. Im Himmel wollen wir uns wieder sehen.
Und nun Herr Jesu! Befehl ich meinen Geist in deine Hände, du hast mich erlöst, du getreuer Gott und Heyland. Herr Jesu, dir leb ich! Herr Jesu, dir sterb ich! Herr Jesu dein bin ich tod und lebendig. Amen.

Schleiz, [gedruckt] bei Johann Gottlieb Mauken

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